Kirchen im Avers und Val Ferrera

Dem Himmel ein wenig näher ...

 

Herzlich willkomma! Bagnavagnieu! 

Dem Himmel tatsächlich ein weniger näher – so stehen die vier Kirchen im Val Ferrera und im Avers seit Jahrhunderten als markante Wegmarken in der Landschaft. Und so möchten wir als Evangelisch-reformierte Gemeinden auch heute Kirche sein: markante und ermutigende Zeichen auf dem Weg der Menschen, die in unserer Talschaft wohnen oder sie besuchen. Und dem Himmel näher, indem wir uns von der befreienden Botschaft des Evangeliums inspirieren lassen und dabei offene, einladende Gemeinschaft untereinander leben.

Seien Sie herzlich willkommen in der höchsten Kirchgemeinde Europas – unsere Türen stehen auch Ihnen offen! 

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18.08.2025

Nachtgesänge

Unser Hochtal – wie viele andere Täler in den Bergen – lässt einen die Nächte draussen in der Natur ganz anders entdecken, als dies in Städten und Agglomerationen überhaupt möglich ist. Bei klarem Himmel lassen sich unzählige Sterne beobachten (manchmal auch spektakuläre Sternschnuppen), und ist er eher bedeckt, so kann man sich gewahr werden, was Dunkelheit draussen bedeuten kann. Auch das Ohr nimmt viele feine Regungen wahr: den Wind beispielsweise, der hörbar die Äste der Lärchen bewegt, das Rufen eines nächtlichen Vogels, und zur Zeit die fernen Glocken der Herden auf den Alpen.

Wer diese feinen Manifestationen der nächtlichen Umwelt wahrnehmen will, muss bereit sein, einen Moment innezuhalten (manchmal fast schon die Luft anzuhalten), die inneren Stimmen für einen Moment zum Schweigen aufzufordern, sich auf ein neues, feines und zugleich intensives Wahrnehmen einzulassen.

Und diese nächtlichen Manifestationen können tief gehen – sie können einen ergreifen und einen ehrfürchtig staunen lassen vor dem (fast schon) stillen und doch so kraftvollen Wunder der Schöpfung.

Schon manches Mal hat diese feine Nachtmelodie ein fast schon stilles Summen auf meine Lippen gezaubert, und hat mich so einstimmen lassen in ihr grosses Lob des Schöpfers.

Und manches Mal musste ich in diesen ergreifenden nächtlichen Momenten an die Worte des Liedes denken, das der Barockdichter Grimmelshausen in seinem Roman «Simplicissimus» den Einsiedler im Wald singen lässt. Daraus möchte ich die zweite Strophe zitieren:

«Obschon ist hin der Sonnenschein
und wir im Finstern müssen sein,
so können wir doch singen
von Gottes Güt’ und seiner Macht,
weil uns kann hindern keine Nacht,
sein Loben zu vollbringen.
Drum dein Stimmlein
lass erschallen, denn vor allen
kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.»

Der Dichter spricht im Lied die Nachtigall an. Sie soll ihr «Stimmlein» erschallen lassen. Und da zu unserer Zeit und in unseren Gefilden die Nachtigallen leider recht selten geworden sind, können wir das Singen übernehmen.

Ja, auch wenn diese Welt immer wieder sehr finster um uns geworden ist, so können wir doch singen – als Einzelne und auch als Gemeinschaften. Dieses nächtliche Singen ist auch die Aufgabe der Kirche.

Ich wünsche uns, dass wir in allen Nächten ergriffen werden können vom grossen Lob Gottes, «der nicht fahren lässt das Werk seiner Hände» (Psalm 138,8).

Ich wünsche eine gesegnete Zeit.
Euer Pfarrer Jürg Scheibler



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